Am Mittwochabend präsentierte der Fränkische Theatersommer im Historischen Rathaussaal ein Bild- und Musiktheater zu Lucas Cranach dem Jüngeren.

Fulminant steigert sich der Lobpreis „Singet dem Herrn ein neues Lied; singet dem Herrn alle Welt! Danket dem Herrn“ - mit einer Eindringlichkeit, die einem den Schauer über den Rücken laufen lässt – Das so hoffnungsvolle Frohlocken und Danken war der innig ergreifende-Abschluss eines wunderbaren Abends, der die Zuschauer zwei Stunden lang am Leben von Lucas Cranach dem Jüngeren hatte teilnehmen lassen. Vor Ergriffenheit wagte das Publikum zunächst kaum zu applaudieren, bevor es in minutenlangem Beifall ausbrach.

Es waren - gleich im mehrfachen Sinne - atemberaubend schöne Bilder und eine atemberaubende Veranstaltung, die am Mittwochabend im Historischen Rathaus zu sehen war. Hier - in der Heimatstadt des Vaters - wurde das Publikum mit dem beeindruckenden Theater-Projekt „Lucas Maler zu Wittenberg und das Abenteuer der Reformation“ beschenkt. In diesem Jahr feiert Kronach den 500. Geburtstag von Lucas Cranach d. J. mit einer vielfältigen Veranstaltungsreihe – und ein schöneres Geburtstagsgeschenk hätte man sich wahrlich nicht wünschen können. Jan Burdinskis Theaterprojekt nimmt den 500. Geburtstag zum Anlass, um anhand der Künstlerpersönlichkeit und des familiären Umfelds die Aufbruchsstimmung der Reformationszeit in Bild, Musik und Theaterszenen wiederzugeben.

Im Mittelpunkt des Bild- und Musiktheaters stand die Freundschaft von Lucas Cranach d. J. (Manuel Unterburger, rechts) mit Philipp Melanchthon (Jan Burdinski, zweiter von rechts). Im Hintergrund ist das Bild „Christus und die Ehebrecherin“ (Lucas Cranach d. J., 1537) zu sehen.

Anhand historischer Daten und Zeugnisse ließ man dabei das Leben des Malers (Manuel Unterburger) und seines Vaters (Jürgen Peter) Revue passieren und führte die Aktualität ihrer Gedanken und Fragestellungen vor Augen. Hinter dem Werk und dem Amt von Lucas Cranach d. J. trat der Mensch in den Vordergrund: Wie hat er gelebt, was hat er gedacht, wie haben sein privates Leben und öffentliches Wirken ineinander gegriffen? Die Künstlerpersönlichkeit und seine Freundschaft mit Philipp Melanchthon (Jan Burdinski) - dem stillen Reformator und Wittenberger Freund von Martin Luther - stehen dabei im Mittelpunkt. Als zentrale Figuren spiegeln sie diese Zeit wieder und dienen der ökumenischen Bewegung unserer Tage zur Anregung und Ermutigung. Jan Burdinski, Intendant des Fränkischen Theatersommers, schrieb mit seinen Schauspielern und dem Komponisten Andreas Rüsing ein höchst unterhaltsames „Lehrstück“, das die Zuschauer in fünf Sprechszenen an den damaligen historischen Ereignissen teilnehmen lässt.

Im Mittelpunkt des Bild- und Musiktheaters stand die Freundschaft von Lucas Cranach d. J. (Manuel Unterburger, rechts) mit Philipp Melanchthon (Jan Burdinski, zweiter von rechts).

Diese fühlten sich von Anfang an mitten im Geschehen. Mit einer fast schon spirituellen Kraft und mit vielen wunderschönen Momenten der Ruhe und Stille ging dieses Theater ins Innere, in die Seele – und das alles in der prächtigen Kulisse des Historischen Rathauses. Hier klangen die Worte und die Musik - im Spannungsfeld zwischen originaler Renaissancemusik und neu komponierten Stimmungsbildern - noch intensiver. Es war aber gerade auch das eindringliche Spiel der Darsteller des - von verschiedenen Stellen geförderten - Theaterprojekts, das einen tiefen Eindruck hinterließ und nachhallte. Dabei handelt es sich augenscheinlich um echte Multitalente, wie die beeindruckenden Gesangseinlagen bewiesen - eine ganz starke Leistung. Dieses Theater mit seinem Ensemble - Es ging unter die Haut! Hinzu kamen herrliche Bilder von Vater und Sohn voller Aussagekraft und Schönheit, die an eine große Leinwand hinter den Mitwirkenden projiziert wurden.

Die großartigen Schauspieler setzten die historischen Abläufe gekonnt in Szene. Das Bild zeigt (von links) Lucas Cranach d. Ä. (Jürgen Peter) und seinen Sohn Lucas Cranach d. J. (Manuel Unterburger).

Die Besucher waren eingangs von Dr. Bernd Matthes begrüßt worden. Den Vorsitzenden des Fränkischen Theatersommers verbindet eine freundschaftliche Beziehung mit Kronach, sodass er - wie er versicherte - immer wieder sehr gerne hierher komme. „Es war uns ein besonderes Fest, unser Stück in der Lucas-Cranach-Stadt vorstellen zu dürfen“, meinte abschließend Intendant Jan Burdinski. Das „Fest“ war ganz auf Seite der innig ergriffenen Zuschauer. Am Ende hielten diese noch einen Augenblick andächtig inne. Dann bedankten sie sich mit langem Beifall für zwei wunderbare Stunden, die zeigten, was Theater ausmacht und was echtes Theater ist: ein Juwel, kostbar und ungemein wertvoll!

Fotos & Text: Heike Schülein

Nächster Spieltermin:

Montag, den 14. Dezember um 19.30 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche Neudrossenfeld.