Viertelmeister von Kronach

Es ist ein einmaliges historisches Spektakel mit reichlich Musik, Tanz und Schmäuß.

Jedes Jahr nach Ostern rufen die Viertelmeister der Stadt die historische Szene von Kronach zusammen, um mit ihnen den Viertelmeister-Tag zu begehen. Ein wahrlich spektakuläres Ereignis.

Wenn der Winter das Kronacher Land verlässt, dann treffen sich in der Oberen Stadt im historischen Rathaus (Ober-)Bürgermeister, Stadtvogt und viele ehrenwerte Frauen und Männer der historischen Szene, um dabei zu sein, wenn die Viertelmeister „mit auferhobenen fingern gelärte Aydt zu Gott schweren“. Dann findet, wie schon seit zehn Jahren, der Viertelmeister-Tag in Kronach statt. Er gehört wie das historische Stadtspektakel Ende Juni zu den herausragenden Ereignissen, die stattfinden, um die Kronacher Geschichte wieder lebendig werden zu lassen.

So stehen dann die Viertelmeister vor ihrem (Ober-)Bürgermeister und schwören …

„… das sie den Bürgermeistern und einem Rath in allen zimlichen gebotten,
…., gehorsamb und gefolgig sein. Und waß innen bevolhen wurdet, iren virthailen anzusagen und zu gebieten, … Und was auch sie im Rath horen,
gehandelt oder beshlossen wurdt, dasselbig bey innen in gehaimb und ver-schwiegenbehalten, und soliches keinem Menschen, weder Weib noch Kindern, daheimb noch andern Orten offenbaren.“

Ebenso ist den Viertelmeistern in der Eidesformel auferlegt, dass sie jederzeit bei Gefahr einer Feuerbrunst oder einer Belagerung der Stadt in ihrem Viertel für die notwendige Abwehr zu sorgen hätten.

Wenn die heutigen vier Viertelmeister diesen Schwur leisten und mit Handschlag besiegeln, erhalten sie aus den Händen des (Ober-)Bürgermeisters ihre Viertel in sinnbildlicher Form an Schmuckketten befestigt um den Hals gehängt. Sie dürfen dann ihr Amt für ein weiteres Jahr versehen. Vorher haben sie bereits einen Bericht über die Entwicklung „ihres Viertels“ den anwesenden Bürgerinnen und Bürgern vorgetragen, die sich auch dazu äußern dürfen.

Kronachs Stadtteile im Mittelalter

Hierzu ein kleiner Ausflug in die Geschichte: Die Amtshauptmannschaft Kronach bestand im 16. und 17. Jahrhundert im Wesentlichen aus der heutigen so genannten Oberen Stadt. Alle Anwesen außerhalb der Stadtmauer zählten zu der Vorstadt, deren Bewohner keine oder geringere Bürgerrechte genossen. Die Obere Stadt selbst war in vier Viertel geteilt, die auch heute noch im städtebaulichen Grundriss erkennbar sind. Diesen Vierteln standen die vom Rat der Stadt berufenen Viertelmeister vor und bildeten das Bindeglied zwischen Stadtverwaltung und Bürgerschaft. Den Viertelmeistern oblag es, die Anordnungen und Beschlüsse der Ratsherren gehorsam, so wie es im Eid der Viertelmeister beschrieben ist, auszuführen. Sie waren Stadtbedienstete und würden heutzutage ihre Dienste im Range eines Abteilungsleiters leisten.

Einteilung der Kronacher Stadt

Allerdings bliebe es den heutigen Stadtangestellten erspart bei einer Belagerung der Stadt, was zur damaligen Zeit, insbesondere während des Dreißigjährigen Kriegs des Öfteren vorkam, im vollen Harnisch mit Unterstützung der Bewohner ihr Teilstück der Stadtmauer zu verteidigen.

Nun, auch den heutigen Viertelmeistern fällt diese Aufgabe nur noch am historischen Stadtspektakel zu, wenn in einem Re-enactment die Belagerung und Bestürmung der Stadt der Jahre 1632/34 nachgespielt wird.