Regionalkrimi Kronach Als die Verantwortlichen des Vereins 1000 Jahre Kronach e.V. im Frühjahr 2010 mit einem Krimiwettbewerb die zarte Saat eines “Cronicher Grimmi” pflanzten, vermochte niemand zu erahnen, welch stattlicher Baum in so kurzer Zeit daraus erwachsen sollte . und welch schmackhafte Früchte er mittlerweile schon einträgt. Inzwischen faszinieren sechs regionale Autoren regelmäßig eine stetig wachsende Leserschar mit fesselnder Krimikost Dies ist Grund genug für den Verein dieses Engagement auch weiterhin zu fördern. Dazu wurde jetzt ein “Arbeitskreis Regionalkrimi Kronach” (oder “AK Cronicher Grimmi”) ins Leben gerufen, mit dessen Leitung Udo Georg Gellner, Autor des Thrillers “Rosenbergsturm” betraut wurde.
Krimiautor Gellner hat sich schon intensiv mit der Organisation des Arbeitskreises befaßt, wir haben ihn zu seinen Vorstellungen befragt.

H.S.: Herr Gellner, die Vorstandschaft des Vereins hat sie als Vereinsmitglied gebeten, die Leitung des Arbeitskreises zu übernehmen. Warum gerade Sie?

G.: Nun, obwohl ich erst seit ca. drei Jahren auf Empfehlung einer Freundin, die um meine Faszination für die alte Cranaha wusste, Mitglied bin, beeindruckte mich doch von Anfang an das Engagement des Vereins für die Historie und das kulturelle Leben in Kronach und der Region sehr. Ich fühle mich absolut wohl unter Gleichgesinnten und so habe ich diese neue Herausforderung gerne angenommen.
Weiterhin bin ich als Autor ja auch selbst Leser, den derlei regionale Kriminalgeschichten ebenso faszinieren. So lese ich auch gerne Romane aus anderen Regionen um etwas über Land und Leute zu erfahren. Wenn ich mir die große Krimilandkarte des deutschsprachigen Raumes aber so anschaue, dann stellt sich der Frankenwald meist als weißer Fleck dar, was jedoch ein völlig falsches Bild widerspiegelt. Meine Autorenkollegen leisten seit Jahren hervorragende Arbeit, die aber meiner Meinung nach nicht die entsprechende überregionale Beachtung erfährt.

H.S.:Aber, liegt es nicht in der Natur der Sache, dass ein regionaler Roman vor allem eben in seiner Region Verbreitung findet?

G.: Das ist nicht ganz richtig. Mit dem Begriff des Regionalkrimis werden nur der Handlungsort und seine Besonderheiten definiert. Das soll aber keineswegs ein Hindernis für eine überregionale Verbreitung sein. Die zahlreichen Bücherranglisten sprechen da eine deutliche Sprache.
Allerdings, viele Buchkritiker negieren Regionalkrimis! Warum eigentlich?
Sind sie denn nicht genauso - wie jeder Roman, der an reellen Handlungsorten spielt - ebenfalls regional verortet?

H.S.: Was möchten Sie erreichen, was sind Ihre Ziele?

G.: Aus Rückmeldungen von Lesern meines Romans wurde mir bewusst, dass wir Autoren in der Region von der breiten Öffentlichkeit meist als “einsame Wölfe” wahrgenommen werden. Durch ein gemeinsames Auftreten gilt es, deutlicher zu zeigen, dass wir Autoren uns bei weitem nicht als Konkurrenten empfinden, sondern als Kollegen, deren gemeinsame Leidenschaft vor allem dem Leser dient. Darüber hinaus möchten wir erreichen, dass unsere herrliche Heimat auch überregional besser wahrgenommen wird. Denn es ist mittlerweile eine Tatsache, dass aufgrund unserer Romane auch der eine oder andere Tourist Kronach, wie auch den Frankenwald bereist. Darauf könnte man in vielerlei Hinsicht aufbauen, denn oftmals sind ja unsere “Mordsgeschichten” mit lokalen Sehenswürdigkeiten verbunden.

H.S.: Und mit der lokalen Geschichte!?

G.: Ja, das ist dann schon von besonderer Qualität, wenn die kriminalistischen Handlungsstränge in eine ortsbezogene historische Ereigniskette verwoben werden, wie es z.B. Wolfgang Polifka in seinem historischen Krimi “Die Rosenberg-Pergamente” oder J.P. Simon im Kriminalroman “Der Papstring” hervorragend gelungen ist, Kronacher Geschichte einzubeziehen. Wir sollten uns überlegen, wie wir solche Krimiliteratur fördern können.

H. S.: Gibt es schon konkrete Pläne?

G.: Zunächst möchte ich einen gemeinsamen, ungezwungenen Gedankenaustausch unter uns Autoren anregen. Ich bin ja in diesem Kreise quasi der “Novize” und freue mich deshalb sehr darauf, meine Kolleginnen und Kollegen näher kennen zu lernen. Mehrere haben schon zugesagt.
Zum anderen wäre da die Idee eines “Kronacher Krimifestivals”, wo alle Kronacher Regional-Autoren im wunderschönen Ambiente der Oberen Stadt, an verschiedenen Locations oder Handlungsorten, aus ihren Werken vorlesen, neue Projekte vorstellen und vor allem in den Dialog mit ihren Lesern treten können. Ob es vielleicht mal eine Ausschreibung eines “Kronacher Jugend-Krimi-Preises” geben soll, kann diskutiert werden. Und wenn das Interesse sich dergestalt entwickeln sollte, könnte auch ein überregionaler-Austausch mit anderen Krimi-Autoren organisiert werden.
Schließlich sollte auch ganz praktisch besprochen werden, wie die Kronach-Krimis besser überregional vermarktet werden können. Also es gibt eigentlich genug zu tun! Und ich hoffe auf die Unterstützung der Kollegen und Kolleginnen vor Ort!

Herr Gellner, vielen Dank für das Gespräch, viel Glück und gutes Gelingen!

Das Gespräch führte Heike Schülein