Wenn sich die Vertreter der historischen Gruppen aus Kronach und Nordhalben meiste Ende Juni auf den Weg von Kronach nach Nordhalben machen, dann tun sie dies nicht mit den Fortbewegungsmitteln des 21. Jahrhunderts

Sondern greifen zurück auf die Trans-portmittel des 17. Jahrhunderts. Das heißt, Sie werden mit Pferdefuhrwerk, zu Fuß und im historischen Gewande die ca. 30 km zurücklegen.

Anlass für diese Aktion ist ein Ereignis aus dem Jahre 1635, das regional aber auch im Kontext mit dem Westfälischen Frieden von 1648 doch eine Besonderheit im Dreißigjährigen Krieg darstellt. Die Amtshauptmannschaft Cronach durchlebte in der Zeit von 1632 bis 1634 ihre schwersten Jahre. Drei Bestürmungen und vier Belagerungen durch die Schweden hatte sie zu widerstehen. Als dann im Herbst 1634 die Pest durch die Gassen und Häuser der Stadt zog und mehr als 300 Bürger dahinraffte, erreichte das Elend seinen Höhepunkt.
Bürgermeister, Stadtvogt und Ratsherren suchten verzweifelt nach einer Lösung zur Linderung der Not, denn es mangelnde immer mehr an Lebensmitteln zur Versorgung der Bevölkerung. Als einzigen Ausweg erkannten die Herren, sich an die benachbarten, jedoch verfeindeten, Reußen in Lobenstein zu wenden. Man schickte daher eine schriftliche Anfrage, die positiv beantwortet wurde, erhofften sich doch die Reußen, durch eine friedlichen Handel, die fortwährenden Übergriffe aus dem katholischen Lager zu beenden.

Die Verhandlungen fanden in Nordhalben statt. Den Reußen wurden Pässe zur ungehinderten Ein- und Ausreise ausgestellt und die Vertreter Kronachs machten sich, vermutlich im Frühjahr 1635, auf den Weg nach Nordhalben. Die Abordnungen aus Kronach und Lobenstein sind in der Fehn´schen Chronik, Band 6, namentlich genannt. Die Verhandlungen verliefen erfolgreich und so wurde in zwei „Rezessen“ beschlossen, dass zwischen Bamberg und den reußischen Städten, Dörfern und Einwohnern das alte nachbarliche Einvernehmen wieder hergestellt werden soll. Der Beschluss wurde vor Ort mit einer „ansehnlichen Mahlzeit“ gefeiert, bei der nach jedem „Trunke“ die Beteiligten die Trinkgläser „… zum Fenster hinaus oder in die Stube…“ warfen.

In Kronach füllten sich alsbald die Marktstände mit Käse, Butter, Hühnern, Gänsen, Getreide und anderen Lebensmitteln. Der Handel mit den reußischen Nachbarn entwickelte sich so gut, dass die Lebensmittel sogar auf dem Wasserwege bis nach Bamberg verbracht wurden.

Das Besondere an dieser nachbarschaftlichen Vereinbarung liegt nun darin, dass hier offenbar, lange vor dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648, ein regionaler Friedensschluss zwischen scheinbar unversöhnlichen Krieggegnern zustande kam. Die Fehn´sche Chronik schreibt in diesem Zusammenhang auch vom „ersten im deutschen Reiche geschlossenen Frieden“.

Von den historischen Gruppen aus Kronach und Nordhalben soll dieses, wie wir meinen, nicht unbedeutende Ereignis, mit dem Ratsherrenzug von Kronach nach Nordhalben in Erinnerung gerufen werden. Zwischenstation wird jeweils in Marktrodach und Steinwiesen gemacht Auch dort soll an die geschichtliche Beziehungen dieser „Dörfer“ zur Amtshauptmannschaft Kronach in Zeiten des Hochstiftes Bamberg erinnert werden. In Nordhalben wird dann dieser so genannte „Friede von Nordhalben“ entsprechend dem historischem Ablauf nachvollzogen.

Oberes Schloss in Greiz, Sitz der Vögte von Plauen zu Greiz, genannt ReußDer Ratsherrenzug wartet im Jahre 2014 mit einem absoluten Highlight auf. Das hat sich aus der letzen Sitzung (10.12.13) des Organisationsteams in Steinwiesen ergeben. Die Nordhalbener Gruppe unter ihren Projektleitern Norbert Neugebauer und Steven Größner kamen mit hochherrschaftlichen Gästen ins Aparthotel Steinwiesen. Seine Durchlaucht Prinz Reuß Heinrich XXV gab sich zusammen mit seinem Forstmeister Hartmut Hofmann die Ehre an dem Treffen teilzunehmen.

Wappen der Linien der Vögte von Gera, seit Mitte 15. Jahrhundert auch der Vögte von Plauen und Reu

Nachdem einige profane Scharmützel zwischen Nordhalben und Kronach ausgetauscht waren verkündete Prinz Heinrich aus der reußischen Linie derer zu Lobenstein, dass es ihm gefallen würde, sich am Frieden von Nordhalben zu beteiligen, auch wenn er aus der Diskussion vor Ort nur wenig friedliche Absichten ablesen könne. Diese Worte, wohlgesetzt, wie es sich von Menschen mit adeligen Stand gehört, ermahnten und erfreuten die schlichten Kronacher Gemüter so, dass sie ihrer Überraschung und Erstaunen nicht sofort kund tun konnten. Dr. Kerstin Löw, Tourismusleiterin der Stadt Kronach, war die erste, die wieder ihre Fassung erlangte und gedankenschnell mit akademisch geschulten Worten ihre Freude Ausdruck gab. Dieser neue Sachstand animierte Sie sofort ihre marketingtechnischen Überlegungen für den Ratsherrenzug auf das Thüringische auszudehnen. Da die Reußen nun auch selbst einen Zug von Lobenstein nach Nordhalben initiieren wollen, stellten sich diese Überlegungen für Frau Dr. Löw als zwingende Notwendigkeit heraus.

So werden sich nun alle zwei Jahre die Kronacher Ratsherren mit authentischen reußischen Abgesandten auf dem Festplatz des Nortwald Spektaculums treffen, um den Friedensschluss des Jahres 1635 unter der Regie von Rudolf Ruf nochmals aufleben zu lassen. Dazu wird in Kronach vom Marktplatz Kronach der Abmarsch der Kronacher Delegation erfolgen. Auf dem Weg nach Nordhalben wird wieder Zwischenstation in Marktrodach gemacht, wo die Einhaltung Kronacher Bierprivilegien ein weiteres Mal eingefordert werden. Weiter geht es dann über Zeyern nach Steinwiesen zum Übernachtungsplatz am Aparthotel. Am nächsten Tag erfolgt der Abmarsch um 10.00 Uhr. Ab Mauthaus begibt sich der Kronacher Zug in Norhalbener Geleit. An der Ködeltalsperre entlang wird der letzte Anstieg gen Nordhalben angestrebt um dann gegen 13.00 Uhr mit dem Zug aus dem reußischen Landen zusammen in den Festplatz einzufahren.

Das Nordwaldspektakulum

Wiederholt treffen sich in Nordhalben historische Gruppen, um im friedlichen Wettbewerb ihre Kräfte zu messen. Mit den Berglandspielen wird auch der Friede von Nordhalben inszeniert. Er erinnert an ein historisches Ereignis, das 1635 zum ersten Friedensschluss im Dreißigjährigen Krieg führte, 13 Jahre vor dem Westfälischen Frieden im Jahre 1648. So ziehen von bambergischer und reußischer Seite jeweils ein Friedenszug gen Nordhalben, um dies für die Region nicht unbedeutende historische Ereignis nachzustellen. Am Zug selbst können sich alle beteiligen, die im historischen Gewand den Spuren der damaligen Verhandlungsführer folgen möchten. Szenische Aufführungen in Marktrodach und Steinwiesen sorgen für unterhaltsame Atempausen.

Hans Götz