1000 Jahre Kronach zeigt Engagement

Funde beweisen: Kronach ist 250 Jahre älter

Die Stadt Kronach ist nicht so alt als bisher angenommen. Die Geschichte Kronachs allerdings ist viel älter als bisher geglaubt.

Mit diesen Thesen fesselte Gregor Förtsch die auf Einladung des Vereins 1000 Jahre Kronach e. V. erschienenen Besucher im übervollen Vortragsraum des s´Antla. Und die Spannung hielt bis zum Ende seines Vortrags, denn der Referent erklärte in klarer Diktion die Ergebnisse seiner archäologischen Forschungen Schritt für Schritt und und präsentierte entsprechendes Bildmaterial.

Zwei Nachrichten sind es, an die bisher das Alter der Stadt sowie der Festung Rosenberg geknüpft wird, erläuterte Förtsch die Ausgangslage. Die bisher als älteste angesehene Nachricht entstammt der Chronik Bischofs Thietmar von Merseburg, die auf das Jahr 1003 zurückgeht und eine „urbs crana“ erwähnt. Eine zweite Nachricht, die der Lebensgeschichte Bischofs Otto I. von Bamberg entnommen ist, berichtet von einem „steinernen Haus und einem Turm“, der bei Kronach erbaut worden sein soll.

Ernüchternde Ausgrabungsergebnisse

Für beide Nachrichten fehlte bisher jegliche Bestätigung durch archäologische Ausgrabungsergebnisse. Um einen Nachweis für das Alter der Stadt zu erhalten, führte die Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Lehrstuhl für das Mittelalter und die Neuzeit, von 1987 bis 2009, in allen Bereichen der oberen Stadt sowie in der Festung Rosenberg umfangreiche archäologische Untersuchungen durch.

Alle Untersuchungen belegen aufgrund der dort geborgenen Fundstücke, dass weder die Stadt Kronach noch die Festung Rosenberg so alt sein können wie bisher angenommen. Denn es datieren die ältesten der überall in der oberen Stadt und im Bereich der Festung geborgenen Fundstücke in das späte Mittelalter, beziehungsweise in die Neuzeit, also etwa in das 13. bis 15. Jahrhundert. Belege für die „urbs crana“ sowie das „steinerne Haus“ konnten somit hier nirgends festgestellt werden.

Schlüssige Beweisführung

Dagegen finden sich, so der Referent, in einer 1989 von ihm entdeckten Siedlung zwischen Friesen und Birkach die gesuchten Objekte. Vielleicht hatte man bisher nur an der falschen Stelle gesucht. Die Siedlung entdeckte der Hobbyarchäologe bei einer routinemäßigen Feldbegehung. Die ältesten dabei aufgelesenen Fundstücke datieren in das 8./9. Jahrhundert. Dort, an einem kleinen Pass, kann die „urbs crana“ nachgewiesen werden. Bei zwei riesigen, steinernen Fundamenten, die zweifellos zu einer Turmburg gehören und in das 12. Jh. datieren, handelt es sich um das von Bischof Otto I. um 1122 erbaute „steinerne Haus und den Turm“. Im 12. Jh. muss diese Siedlung eine zentrale Bedeutung für den Bereich des heutigen Landkreises besessen haben.

Die Zeit der Städtegründungen bescherte allerdings der Siedlung auf dem Zenit ihrer Geschichte das Ende. Die zwischenzeitlich zu einem Marktort herangewachsene Siedlung wurde an einen anderen Platz, etwa drei Kilometer südlich, auf den Sporn des Rosenberges, dem Gelände der heutigen Stadt, verlegt. Den prominenten Namen sowie das Marktrecht nahmen die Bürger mit in die neu entstandene Stadt.

Der Referent brachte Belege dafür, dass Kronach tatsächlich eine geplante Stadt ist und nicht, wie bisher angenommen, aus einem Kern, der „urbs crana“, entstanden sein kann. Ähnlich verhält es sich mit dem „Steinernen Haus und dem Turm“, die nicht der Ursprung der Festung Rosenberg sind.
Der Fundplatz liefert allerdings eindeutige Belege dafür, dass es die „urbs crana“ tatsächlich gab. Damit kann nun, nachweislich, die Nachricht aus dem Jahr 1003 belegt werden.

1000 Jahre Kronach zeigt Engagement Blick auf die Ausgrabungsstelle zwischen Friesen und Birkach mit den Steinfundamenten.

Weitreichende Folgerungen

Allerdings wird durch den Fundplatz nicht nur die 1000-jährige Nachricht bestätig. Fundstücke, die in das 8./9. Jahrhundert datieren, belegen auch, dass der Ursprung der Siedlung bis in das Frühmittelalter zurück reicht. In einer Urkunde aus dem Jahr 772 wird erstmals der Name „cranaha“ erwähnt. Diesen Namen hatte die Siedlung vom daran vorbei fließenden Gewässer übernommen. Demnach reicht die Geschichte Kronachs nach Auffassung von Förtsch viel weiter zurück als bisher angenommen. Kronach kann folglich im Jahre 2022 auf eine dann 1250-jährige, archäologisch und urkundlich belegbare Geschichte verweisen. Damit gehört Kronach zu den wenigen Städten in Deutschland, die über eine derartig fundierte, durch mehrere wissenschaftliche Disziplinen abgesicherte Geschichte verfügen.

Die amtlichen Untersuchungen der Ausgrabung bei Friesen wurden von der Oberfrankenstiftung, dem Landkreis Kronach und der Stadt Kronach finanziert. Das betreffende Grundstück konnte zwischenzeitlich von der Stadt Kronach erworben werden. Der Referent fand es schade, dass die Fundstücke, welche die Geschichte Kronachs belegen, leider nicht in Kronach selbst zu besichtigen sind. Ebenso sei es schade, dass man die geplante Rekonstruktion des steinernen Hauses und des Turms bisher nicht durchgeführt habe.

Dem reichen Applaus der Zuhörer schloss sich Vereinsvorsitzender Manfred Raum nach reger Diskussion gerne an und dankte dem Referenten für den spannenden und aufschlußreichen Geschichtsabend. Zur Vertiefung des Themas, das offenbar auf sehr großes Interesse stößt, ist Gregor Förtsch gerne im Rahmen einer Arbeitsgruppe bereit. Der Verein 1000 Jahre Kronach wird dazu wieder einladen.

Zur Person:Gregor Förtsch

Stockheim
Hobbyarchäologe
Seit 35 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Bay. Landesamt für Denkmalpflege.
Mitglied in der Bay. Gesellschaft für Archäologie
Mitglied im CHW
Seit 30 Jahren mit der Aufarbeitung der Kronacher Stadtgeschichte beschäftigt.